ZACHWATY. CRIMEA.

Vor dem Zweiten Weltkrieg betrug die Zahl der Tataren auf der Krim noch 20%. Im Jahre 1944 wurden die Krimtataren auf Befehl Stalins unter dem Vorwand der Kollaboration mit den Nationalsozialisten nach Usbekistan, Tadschikistan sowie Kasachstan deportiert.

Erst zu Beginn der 1990er Jahre durften die Krim-Tataren in ihre eigentlich Heimat zurückkehren. Ihre damaligen Lebensräume befanden nun hauptsächlich in Besitz von Russen und Ukrainern. Es wurde gesetzlich nicht geregelt, welche Gebiete den Tataren zustanden und wo sie sich niederlassen durften. Auf Grund dieser fehlenden gesetzlichen Regelungen, haben die Tataren eine Taktik der Selbstaneignung von Grundstücken entwickelt. Die noch frei verfügbaren Landstücke auf der Krim wurden symbolisch durch ein einfaches Steinhaus als fortan besetzt gekennzeichnet. In der Bevölkerung hat sich der Name „Zachwaty“ für die so besetzten Räume etabliert.

Weil die Zachwaty nicht legal sind, trauen sich nur wenige Tataren auf den von ihnen besetzten Grundstücken tatsächlich etwas zu bauen, da immer wieder die Gefahr besteht, dass das gebaute Haus vom Staat zerstört wird. So stehen schon seit vielen Jahren kleine Hütten auf der Halbinsel, die den Anspruch der Krimtataren auf ihren Lebensraum symbolisieren.

Die Zachwaty sind ein Streitpunkt zwischen der tatarischen Bevölkerung und den Russen bzw. Ukrainern. Die Krimtataren sehen sich im Recht, wenn sie versuchen, auf diese Weise, ihren verlorenen Grund und Boden zurückzugewinnen. Die russische Bevölkerung teilt diese Meinung jedoch nicht und wirft den Tataren die illegale Eineignung sowie den illegalen Verkauf von Grundstücken im großen Stil vor.